Zero Waste

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1. Um was geht es bei der Zero Waste Bewegung?
2. Warum Zero Waste?
3. Zero Waste für Einsteiger

30 Minuten Mittagspause, dafür mal eben eine Packung Chips, einen Cappuccino to go und noch ein Päckchen vorgeschnittenes Obst (it’s all about the balance, right?) geholt. Das Resultat dieses unbedachten Konsums? Gut 1,5 Kilo Müll pro Person und das jeden Tag!

Der Durchschnittsbürger denkt nicht viel über den weggeworfenen Müll nach. Gemäß dem Motto “Aus den Augen, aus den Sinn”, kümmern die meisten sich nicht länger um das Konsumierte, als dass sie es direkt vor sich haben. Doch auch wenn die meisten sich am liebsten nicht mit Müll auseinander setzen, gibt es mittlerweile eine ganze Bewegung, die sich ganz genau um das Vermeiden von Verpackungen Gedanken macht.

Um was geht es bei der Zero Waste Bewegung?

Generell kann man sagen, dass es sich bei Zero Waste um einen Lebensstil handelt, bei dem man versucht, alle Konsumgüter aus seinem Leben zu eliminieren, die aus Einwegmaterialien bestehen oder darin verpackt sind. Es gibt unterschiedliche Auslegungen des Lebensstils, so sind manche Zero Wasteler bereit, nur noch recyclebaren Materialien zu verwenden, während andere Zero Wasteler das Konsumverhalten strenger einschränken und auch nachwachsbare Materialien oder recyclebare Materialen so sehr zu vermeiden wie möglich.

Bedeutet Zero Waste also absolut kein Müll? Nein! Realistisch gesehen kann immer mal ein Glas kaputt gehen, auch Bambus-Zahnbürsten müssen mal ausgetauscht werden und Bio-Abfäll lässt sich zwar minimieren, jedoch nicht komplett eliminieren. Zielvorstellung der meisten Zero Wasteler ist deswegen, Plastik-, Aluminium oder andere Wertstoffe, die länger als organische Materialien zum Verroten benötigen, aus dem Konsumverhalten zu streichen.

Reduce, reuse, recycle ist das Motto

In der Praxis bedeutet das meist, dass man Lebensmittel im besten Fall unverpackt in mitgebrachten Containern, in Glas, Leinen oder Papier verpackt kauft. Möbel, Haushaltsartikel oder Kleidung wird oftmals aus ethisch und umweltschonender, fairer Herstellung oder Second-Hand gekauft.

Dabei gehen Minimalismus und Zero Waste schnell Hand in Hand über, denn wer erst Mal beginnt, seine Konsumgüter auf Zero Waste umzustellen, der hinterfragt bald auch, ob er sich nicht auf die wichtigsten Besitztümer beschränken kann.

Warum Zero Waste?

Was für viele erst einmal nach einem unvorstellbaren, sehr extremen und alternativen Lebensstil sich anhören mag, scheint dringend notwendig, wenn man sich mit der Entwicklung der Ozeane und Umwelt beschäftigt. Schon in 50 Jahren soll in den Ozeanen mehr Plastik schwimmen als Fische. Jedes Jahr sterben etwa 1 Millionen Meeresvögel und 100 000 Meersäuger an Plastikmüll. Klassische Einwegprodukte wie Strohhalme, PET-Flaschen, Plastikdeckel oder Dosen sind nicht nur Spuren der menschlichen Bequemlichkeit, sondern zerstören erbarmungslos die Heimat vieler Tiere. Viral gehen immer wieder durch Strohhalme durchbohrte oder durchwachsene Schildkröten, Vögel und Fische, deren kompletter Magen nur noch mit Müll gefüllt ist oder Robben, die in Müll gefangen sind.

Wer in 30 Jahren Tiere nicht nur im Zoo besichtigen möchte, muss etwas an seinem Einkauf ändern!

Schildkröten sind dabei Paradebeispiele für die Auswirkungen von Müll im Ozean:  die Meeresbewohner halten oftmals herumtreibende Plastiktüten für Quallen und fressen deshalb den Kunststoff. Fische hingegen halten oftmals Mikroplastik für natürlichen Plankton. Auf diese und ähnliche Wege gerät Plastik in die Nahrungskette so gut wie jedes Meeresbewohneres. Die Folgen?  Auf Dauer ersticken oder verhungern die meisten Tiere durch den Plastikmüll, den sie für Nahrung halten.

Die Ironie dabei? Die Tiere verhungern, obwohl ihre Mägen gefüllt sind. Und zwar mit Plastikmüll, der sich nicht zersetzt. Das Plastik kann nicht zersetzt werden und behindert immer weiter den gesamten Verdauungsapparat der Tiere, bis kein Platz mehr für “richtige Nahrung” ist. Eine Studie über Eissturmvögeln hat prognostiziert, dass schon in 30 Jahren bei mindestens 95% aller Vogelarten Plastik im Magen nachweisbar sein wird. Allein das zu schreiben, macht mich über die bequemliche, egoistische und unbedarfte Konsumgesellschaft wütend. – Denn selbst wenn ihr diesen Absatz gelesen habt, werden die meisten wohl weiterhin kaum etwas an ihrem Konsumverhalten ändern. Allerdings ist Aufwachen dringend notwendig! Denn was bei der Prognose für Vogelarten gilt, gilt auch für alle anderen Tierarten.

Wer die Natur und Tierwelt als Anreiz sieht, sein Konsumverhalten zu überdenken, der findet bei Care Elite einen ausführlichen und bewegenden Artikel über die Folgen von Plastikmüll in der Umwelt.

Zero Waste für Einsteiger

Du möchtest Zero Waste leben und fragst dich “wo am besten anfangen?”.

So ging es mir vor gut zwei Jahren auch! Seitdem versuche ich meinen Alltag nach bestem Gewissen verpackungsfrei und so nachhaltig wie möglich zu gestalten. Mein Alltag ist auch nach 25 Monaten nicht perfekt zero waste. Denn der Zero Waste Lifestyle ist viel mehr eine Reise, statt eine Veränderung von heute auf morgen.

Zahnseide, Makeup, Konserven und Tupperdosen – all das will aufgebraucht, ja verbraucht werden, bevor man es mit nachhaltigen Alternativen austauscht. Und das ist auch heute noch ein Prozess des Ausprobierens und Scheiterns. Ein neues, verpackungsfreies Deo finden dauert meist länger als gewünscht und auch der Lieblings-Mascara ist nicht so schnell mit einer nachhaltigen Alternative auszutauschen. Meine Erfahrungen im Bereich Zero Waste Badezimmer teile ich mit euch regelmäßig – und freue mich über Austausch mit euch!

Ihr wollt jetzt sofort anfangen? Dann empfehle ich zunächst einmal euren Müll zu untersuchen. Yes. Den jetzigen. Ganz ungeschönt, ganz realistisch. Schau ihn dir an und fang an zu analysieren. Mit was produzierst du den meisten Abfall.

Obst und Gemüse? Gut. Sehr gut. Aber dann doch nicht perfekt. Schau dir mal meinen Artikel über Kompostieren at home an. Lese und staune, denn selbst Bio-Abfälle sind Müll, der teilweise Jahre benötigt, um sich abzubauen. Deshalb heißt zero waste in vielerlei Hinsicht auch bewusster KonsumKonsumiere nur, was du benötigst und versuche auch deine Bio-Abfälle zu minimieren

Zero Waste-Schritt 1: Schau dir deinen Müll an!

Findest du überwiegend Plastik und Aluminium in deiner Mülltonne? Nun dann ist es bei dir wirklich Zeit umzudenken! Denn diese Materialien bauen sich nur sehr schwer und sehr langsam ab. Eine einfache PET-Flasche ist selbst nach 500! Jahren nicht zersetzt. Überlegt mal, diese leere Wasserflasche, die ihr eben lustlos und unbekümmert zu dem Sack mit den restlichen Pfandflaschen geschmissen habt, wird selbst wenn es gut läuft, euer Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Urenkel nicht zersetzt sehen. Und nein, das ist nicht das einzige Andenken an die Generation seiner Vorfahren, die es für den Kleinen geben wird. Mit mehreren hundert Tonnen Müll  pro Lebensjahr pro Mensch werden die zukünftigen Generationen koexistieren dürfen. Das derzeitige Konsumverhalten der Menschheit führt ganzheitlich zum Scheitern. Wenn wir einen Planeten an zukünftige Generationen übergeben wollen, der ein Leben möglich macht, dass nicht auf Krankheiten und Elend beruht, dann müssen wir jetzt handeln.

Ein Kernaspekt des Zero Waste-Lebensstils ist es deshalb, den Müll zu meiden, der nicht mehr wiederverwertet werden kann. Doch auch wenn manche Plastikflaschen wiederbefüllbar sind, solltest du wenn möglich unnötige Verpackungen aus deinem Leben streichen. Im Schnitt kann eine PET-Flasche nur 50 Mal wieder aufgefüllt werden. Jedes Auffüllen verbraucht erneut große Mengen von kostbaren Rohstoffen und noch viel schlimmer: nach den 50 Auffüllungen warten Jahrhunderte auf das Material, in denen es zu schlecht zum Wiederverwerten und zu künstlich zum Verrotten ist. Einen ausführlichen Bericht über Ups and Downs von PET-Flaschen und welche Flasche tatsächlich die Nachhaltigste ist, könnt ihr hier von Nabu lesen.

PET-Flaschen, die länger als dein Familienname bestehen werden

Während wiederverwertbare Flaschen die eine Sache sind, sind Einweg-Plastikverpackungen die andere. Sie dienen in 90% der Einsatzfälle nur einem einmaligen Verpackungsnutzen: Besonders bei Lebensmitteln steht das Überdauern der Verpackung in keinem Verhältnis zum Verbrauch bzw der Verderblichkeit der verpackten Gutes. Deshalb gilt der Appell Verpackungen zu vermeiden ganz besonders für Lebensmittel. Wir produzieren wirklich Unmengen von Plastik allein für Lebensmittel. Dabei sind kleine Schritte bereits kostbar wenn es um Veränderung geht! Einen Guide zum Zero Waste-Shopping verlinke ich euch hier. Es ist keineswegs ein Muss, alles auf einmal richtig zu machen. Auch ich bin nicht ein perfekter Zero Walter. Doch Leute, schaltet euer Hirn ein und hört auf die Warnsignale der Natur! Jeder muss etwas für eine Revolution ändern!

Eine Liste mit Onlineshops, die Zero Waste Shopping auch für Anfänger ganz einfach machen, habe ich euch hier zusammengestellt.

Glas = Der Freund jedes Zero Wastelers?

Ganz so leicht auszusprechen, ist diese Liebesbekundung dann doch nicht. Denn auch Glasverpackungen sollten in Maßen gekauft werden. Wirklich nachhaltig werden sie nur, wenn man selbst sie über ihre Lebensdauer aufbraucht. Und das heißt nicht: einmal Glas auf, Tomatensauce raus und dann ab zum nächsten Glascontainer! Versucht all das, was nicht im Bioabfall entsorgt werden kann, wirklich bewusst und in Maßen nach Hause zu bringen. Denn jede Verpackung wird im Großen und Ganzen nur dann nachhaltig, wenn sie sinnvoll und auf Dauer verwendet wird.

Wer Glas kauft, sollte also keinen One-Night-Stand im Kopf haben, sondern tatsächliches Interesse an einer jahrelangen Freundschaft hegen. Nur dann ist eine Glasbox oder Mason Jars für den Verkauf von Getreide, Körnern oder Nussmus tatsächlich nachhaltiger.

Zero Waste-Lieblinge: Holz, Papier & Leinen

Naturmaterialien sind auch was Verpackungen angeht, ganz klar die Lieblinge der Zero Wasteler! Warum? Nun der Grund ist wohl ganz offensichtlich: die Materialien lassen sich ohne großen Aufwand, oftmals auch zuhause entsorgen. So können Leinenbeutel, Holzzahnbürsten oder Papier nachdem sie nicht mehr verwendet werden können, oftmals als Brennholz oder auf dem Kompost landen.

Deshalb gilt es um so mehr Start-Ups zu unterstützen, die neue, alternative Wege gefunden haben, Plastik mit Naturmaterialien zu ersetzen.

Ein weiterer Vorteil von Leinbeuteln? Dank ihrem leichten Gewicht, sind sie im Vergleich zu Glas ohne große Umstände jederzeit mitzunehmen. Dank der kleinen Beutel kann man im Laden ganz einfach und schnell Plastik sparen!

Euch hat der Reiz gepackt, etwas an eurem Konsumverhalten zu ändern?
Dann begleitet mich auf meiner Zero Waste-Reise! Praktische Tipps, Ratschläge und Erfahrungen findet ihr hier: