Teil 2: Baumaterialien, Zulassung, Baugenehmigung | Tiny House Bauen

Im ersten Teil haben wir euch bereits gezeigt, was ihr beim Bau in Bezug auf die Maße und Grundfläche wissen müsste. Falls ihr den ersten Artikel noch nicht gelesen habt könnt ihr das hier tun.

Heute zeigen wir euch, welche Baumaterialien sich am Besten eignen und was es bei der Auswahl zu beachten gibt. Außerdem klären wir euch über die nötigen Baugenehmigungen auf. Zum Schluss verraten wir euch alles über die Straßenzulassung und wie ihr die in Deutschland bekommt.

Nachhaltige Baumaterialien – Worauf achten?

Bei der Auswahl der Materialien für euer Tiny House spielen meiner Meinung nach 2 große Aspekte eine Rolle: Gewicht und Nachhaltigkeit. Wer in ein Tiny House zieht möchte oft ganz bewusst seinen ökologischen Fußabdruck minimieren und nachhaltiger leben. Das lässt sich schon beim Bau berücksichtigen.

Holz

In den meisten Fällen wird die Grundkonstruktion, sowie die Aussenverschalung des Hauses aus Holz gefertigt. Das ist nicht nur ressourcenschonend, sondern auch leicht erhältlich. Um die Umwelt nicht durch unnötige Transportwege zu belasten lohnt sich hier ein Blick in eure direkte Nachbarschaft. Mit großer Sicherheit findet ihr dort einen Holzfachhandel oder ein Sägewerk, von dem ihr die Materialien beziehen könnt. Somit unterstützt ihr zusätzlich noch den lokalen Handel. Ein Blick in das lokale Branchenbuch hilft da immer weiter. Für das Holz selbst eignet sich zum Beispiel unbehandeltes Nadelholz.

Baufolien

Damit keine warme und feuchte Luft in die Dämmschicht gelangt und dort Schäden durch Feuchtigkeit anrichtet ist es notwendig eine wasserabweisende Folienschicht zu verbauen. Da diese Folien typischerweise aus Plastik bestehen ist es gar nicht mal so einfach eine nachhaltige Alternative zu finden. Allerdings sind die Baufolien von ProClima unserer Meinung nach recht geeignet. Die Folien sind atmungsaktiv und emmisionsarm aber halten die Feuchtigkeit effektiv draussen.

Dämmmaterial

Um unnötigen Energie- und Wärmeverlust im Winter zu verhindern werden die Wände, das Dach und der Boden mit einer Dämmschicht ausgestattet. Herkömmliche Dämmmaterialen haben leider ein sehr hohes Eigengewicht und sind selten zu 100% kompostierbar. Zudem enthalten sie oft chemische Brandschutzmittel, die im Falle eines Brandes giftige Gase freisetzen können. Eine leichtere und nachhaltigere Variante ist der Einsatz von reiner biozidfreier Schafwolle. Bei baustoffplus.de findet ihr alle nötigen Informationen. Auch wenn Schafwolle in der Anschaffung etwas teurer als herkömmliche Dämmmaterialien ist, lohnt sich die Investition durch die lange Lebensdauer auf jeden Fall.

Dachbeschläge

Für das Dach wird ein leichtes, wasserabweisendes Material benötigt. Wir empfehlen hier auf leichtes Aluminiumblech oder Edelstahl zu setzen. Eine gute Übersicht findet ihr hier. Auch bei der Wahl der Baumaterialien für das Dach spielt der Faktor Gewicht eine große Rolle. Aluminium ist leicht und widerstandsfähig. Und wieder gilt: lieber regional einkaufen als Online bestellen, um die Umwelt nicht zusätzlich zu belasten.

Baugenehmigung

Vielleicht habt ihr euch auch schon gefragt: Brauche ich wirklich eine Baugenehmigung für mein Tiny House? Die Antwort lautet ja. In Deutschland sind all Bauvorhaben, die später zu Wohnzwecken dienen baugenehmigungspflichtig. Die Auflagen bzw. Antragsstellung ist je nach Gemeinde verschieden. Ihr sollte euch also vor Ort informieren. Aber hier mal ein paar allgemein-gültige Informationen.

Aus baurechtlicher Sicht gelten Tiny Houses als Gebäude und nicht als Wohnwagen. Generell müsst ihr zunächst einen Bauantrag bei der zuständigen Gemeinde einreichen. Die Bauaufsichtsbehörde prüft diesen Antrag dann und nimmt ggf. noch eine Besichtigung vor Ort vor. Legt diesem Antrag möglichst alle relevanten Dokumenten wie Baubeschreibung und Lagepläne bei.  Das Grundstück auf dem ihr das Tiny House bauen wollt sollte in einem Wohn- oder Mischgebiet liegen. Zusätzlich spielt es auch eine Rolle ob das Grundstück im Innen- oder Außenbereich der Gemeinde liegt. Ob und wie schnell euer Bauantrag genehmigt wird hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Unser Tipp: Lasst euch von den zuständigen Behörden beraten und sucht aktiv den Dialog.

Zulassung

In Deutschland ist (fast) alles gesetzlich geregelt. So auch ob und wie ein Tiny House auf einem Anhänger am Straßenverkehr teilnehmen kann. Alle formellen Grundlagen bezüglich Maße und Gewicht findet ihr hier. Die Straßenverkehrsbehörde kann solche Straßenzulassungen ausstellen, unterliegt dabei jedoch den strengen Vorgaben der Fahrzeug-Zulassungsverordnung (FZV). Um mit eurem Tiny House dauerhaft mobil unterwegs zu sein braucht ihr eine Einzel-Betriebserlaubnis (EBE). Diese Erlaubnis wird auf Basis eines Gutachtens durch den TÜV oder die Dekra erstellt. Dabei gelten folgende Vorraussetzungen:

  • Höhe: max. 4 m
  • Breite: max. 2,55 m
  • Fensterscheiben aus Sicherheitsglas oder verschließbare Fensterläden
  • Keine spitzen Kanten

In manchen Fällen kann es sein, dass der TÜV euch anbietet euer Tiny House als Wohnwagen abnehmen zu lassen. Allerdings erlaubt eine Zulassung als Wohnwagen kein dauerhaftes Wohnen in eurem Tiny House und somit seid ihr nicht mehr von der Versicherung abgedeckt.

Nicht alle Autos sind dafür ausgelegt ein Tiny House tatsächlich zu ziehen. In euren Fahrzeugpapieren steht bis zu welchem Gewicht ihr Anhänger ziehen dürft. Generell gilt: Kleine Autos eignen sich nicht um die volle Ladung von 3500 kg zu ziehen. Hier kommen wohl nur SUVs oder Offroad Fahrzeuge in Frage.

Zum Bewegen des PKW-Tiny House-Gespanns benötigt ihr mindestens einen Führerschein Klasse BE.

 

Bildquellen: unsplash.com, pexels.com

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