Tiny Houses

Unser Leben wird immer schneller und unübersichtlicher. Ob im Job oder auch in der Familie: manchmal hat man das Gefühl gar nicht mehr hinterherzukommen. Unsere Gesellschaft bietet uns eine unglaublich große Menge an Optionen, was oft zu einer gewissen Überforderung führt. Die Mieten in den Großstädten steigen unaufhaltsam. Werden wir uns die Miete in ein paar Jahren überhaupt noch leisten können?

Wem ist da nicht schon mal der Gedanke gekommen einfach aussteigen zu können? Einfach das Leben kurz anhalten zu können, um durchzuatmen. Einfach mal raus aus dem Hamsterrad und wieder Zeit zu finden, um das Leben bewusster wahrzunehmen.

Unser Zuhause ist der Ort an dem wir die meiste Zeit verbringen. Dieser Ort sollte eine Art sicherer Hafen sein, an den man sich zurückziehen kann und dem Stress des Alltags entfliehen kann. Dieser Ort hat einen unglaublich großen Einfluss darauf, wie wir uns fühlen und wie wir mit den Herausforderungen des Alltags umgehen.

Seit einigen Jahren beschäftigt die Menschen wieder ein tieferer Wunsch nach Heimat und Verbundenheit mit sich selbst und der Umwelt. Viele sehnen sich nach Entschleunigung und Einfachheit in ihrem Leben. Das macht sich vor allem in dem großen Interesse nach alternativen Lebensformen bemerkbar. Ob Minimalimus oder Zero Waste mittlerweile gibt es einen Vielzahl von Lebensformen, die dies begünstigen. So auch Tiny Houses.

Was sind Tiny Houses?

Tiny Houses stammen ursprünglich aus den USA (wie eigentlich so alles, was wir haben). Was ursprünglich als ein einfaches Bauprojekt begann hat sich mittlerweile zu einer ganzen sozialen Bewegung entwickelt. Heute leben tausende von Menschen nach der Tiny House Philosophie: Einfachheit, Freiheit und Nachhaltigkeit. Also zufrieden zu sein mit dem Nötigsten und sein Leben wieder auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren.

Der Gedanke dahinter ist, sein Leben und Hab & Gut auf die nötigsten Dinge zu reduzieren, um dann in einem umgebauten Container, mobilen Holzhaus auf einem Anhänger oder einem Zirkuswagen zu wohnen und zu leben. Oft werden Tiny Houses mobil, also mit Rädern gebaut, um sie von Ort zu Ort ziehen zu können. Das weckt nicht nur das Fernweh und die Lust am Reisen, sondern bringt auch ein hohes Maß an Flexibilität mit sich. Meist sind Tiny Häuser aus Holz oder anderen nachhaltigen Materialien gefertigt. Generell werden alle kleinen Häuser mit einer Wohnfläche von unter 38 m2 als Tiny House bezeichnet. Typische Maße für ein Tiny House sind 2,5 m in der Breite und zwischen 5 -7 m in der Länge.

Neben Tiny Houses haben sich auch die Begriffe “Micro House” und “Small House” etabliert. Ein Micro House ist dabei deutlich kleiner als ein Tiny House. Von einem Small House wird gesprochen, wenn es größer als die 38 m2 ist und auf einem Fundament, also stationär gebaut ist.

Warum Tiny Houses?

Einfachheit

Vielleicht hast du dich auch schon mal gefragt, wer denn bitte auf die Idee kommen würde seine Wohnung zu kündigen, um in einem Holzhaus von Ort zu Ort zu fahren. Die Antwort: Ziemlich viele Leute. Der begrenzte Raum zwingt dich dazu ganz radikal auszumisten. Brauchst du die Winterschuhe von 2010 wirklich noch? Und deine Tassen Sammlung, wenn du eh immer die gleich Tasse benutzt? Wie sieht es aus mit den selbstgemalten Bildern aus Kindergartenzeiten? Eine Faustregel besagt: Das, was du ein Jahr lang nicht benutzt hast kannst du getrost entsorgen. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber bei mir würde da einiges zusammenkommen. Wie das konkret gehen kann zeigen wir euch im Anfängerguide für einen minimalistischen Lebensstil.

Freiheit

Im Durchschnitt geben wir ca. 40 % unseres Einkommens für Miete und Nebenkosten aus. Wer das mal hochrechnet kommt ziemlich schnell auf immense Summen. Was wäre, wenn du für einen Bruchteil dieser Summe ein eigenes Haus besitzen könntest? Genau das reizt viele Menschen daran ein Tiny House zu bauen. Neben den einmaligen Baukosten sind die laufenden Nebenkosten verschwindet gering. Das bringt natürlich auch die Möglichkeit mit sich Stunden im Job zu reduzieren oder auch auf eine Teilzeitbeschäftigung umzusteigen, da die zu deckenden Kosten einfach geringer sind. Das wiederum bedeutet mehr Zeit für sich zu haben.

Sein eigener Bauherr und Vermieter zu sein bringt ein ungeahntes Maß an Unabhängigkeit, sowie Freiheit mit sich, das viele nachdem sie in Tiny Houses gezogen sind nicht mehr missen möchten.

Nachhaltigkeit

Für den Bau werden größtenteils nachhaltige Ressourcen eingesetzt. Vor allem Holz spielt dabei eine große Rolle. In Zeiten von Klimakrisen und globaler Erwärmung möchten viele Menschen ihren ökologischen Fußabdruck nachhaltig reduzieren. Nachhaltigkeit kann sich auch im Verzicht auf Plastik also einem Zero Waste Lebensstil widerspiegeln. Wer ein Tiny House baut kann die Gelegenheit also sofort nutzen um sich zum Beispiel von seiner Tupperdosen Sammlung zu trennen und auf plastikfreie Verpackungen umzustellen. Auch beim Thema Energieversorgung und Heizen im Tiny House steht der Nachhaltigkeitsapekt im Mittelpunkt. Oft reicht ein Solarpanel aus, um den gesamten Energiebedarf für das Tiny House zu decken. Wenn das mal nicht ressourcenschonend ist?!

Für wen sind Tiny Houses?

Bevor man so einen großen Schritt wagt sollte man sich natürlich im Klaren sein, ob Tiny House Living überhaupt etwas für einen ist. Mittlerweile gibt es in Deutschland einige Anbieter, die Tiny Häuser verleihen. Dies ist eine gute Möglichkeit, um mal auszuprobieren ob ihr euch überhaupt vorstellen könntet in einem so kleinen Holzhaus zu leben. Aber Vorsicht: Es gibt danach kein zurück mehr. Schon so manch einen hat nach einem Probewohnen das Tiny House Fieber gepackt.

Generell sind Tiny Häuser eine gute Wohnalternative für alle, die sich wieder auf sich selbst und den Sinn des Lebens konzentrieren wollen.

Um herauszufinden, ob Tiny House Living wirklich zu dir passt, stelle dir folgende Fragen:

  1. Wo möchte ich gerne leben? (Stadt, Dorf, Land)
  2. Wie gerne bin ich von Menschen umgeben?
  3. Wie wichtig ist mir die Umwelt?
  4. Gibt es Materielles von dem ich mich nicht trennen möchte?
  5. Wie wichtig ist mir innere Ausgeglichenheit?

Wenn du die meisten Fragen mit “sehr hoch” beantwortet hast, dann ist ein Leben im Minihaus etwas für dich.
Bevor man allerdings ein Tiny House selber baut sollte man sich aber einige Dinge wie bewusst machen. Hier findet ihr die 4 Dinge, die ihr wissen solltet.

Es ist wichtig zu wissen, dass Tiny House Living keine Optimierung deines derzeitigen Lebensstils darstellt, sondern eine radikale Neuausrichtung, die mit tiefgreifenden Veränderungen verbunden ist. Wer es wagt gewinnt. Der größte Gewinn ist jedoch die innere Zufriedenheit und Balance, die man dadurch zurückgewinnt.

Eine wirkliche Alternative?

Bestimmt hast du dich jetzt auch schon gefragt, ob Tiny Häuser wirklich eine echte Alternative zum Wohnen in einer normalen Wohnung sind. Das muss natürlich jeder für sich selbst beurteilen aber man kann schon sagen, dass Tiny Houses in Bezug auf Einrichtung und Funktionalität einer normalen Wohnung in nichts nachstehen.

Der Vorteil ist, dass ihr euer Minihaus selbst planen und vielleicht auch selbst bauen könnt. Das heißt ihr bestimmt selbst wie viel Platz ihr für die Küche, Wohnraum und Schlafbereich einbauen wollt. Auch bei der Einrichtung ist euch freie Hand gelassen. Ihr wollt einen 65 Zoll QLED TV einbauen? Kein Problem. Euch sind Fußbodenheizung und Klimaanlage wichtig? Auch das geht. Selbst in puncto Sanitäranlagen gibt es mittlerweile unzählige platzsparende Ausführungen. Die wird jeder fündig.

Insgesamt bietet ein Tiny House alles, was auch eine Wohnung bietet eben nur auf kleinerem Raum.

Einrichtung und Co.

Wie ihr euer Holzhaus dann einrichtet hängt ganz von eurem Geschmack ab. Wohninspiration gibt es mittlerweile genug. Viele Menschen denken, dass nur weil man im Tiny House wohnt es karg und ungemütlich sein muss. Aber das Gegenteil ist der Fall. Wir stellen euch zwei Methoden vor, wie ihr trotz Minimalimus ein gemütliches Zuhause schaffen könnt.

Hygge

Das 2016 gewählte Wort des Jahres stammt aus dem Dänischen und bedeutet so viel wie “Gemütlichkeit und Behaglichkeit, sowie Geselligkeit um ein Gefühl der Zufriedenheit zu erzeugen.”. Dabei geht es vor allem darum einen Wohnraum zu schaffen, der mit einfachen Dingen gemütlich gemacht wird und zum Verweilen einlädt. Wie das funktioniert? Ganz einfach: Stattet euer Tiny House ganz bewusst mit Accessoires aus, die Gemütlichkeit ausstrahlen.

Dazu gehören zum Beispiel Kerzen. Kerzen schaffen auf Anhieb eine gemütliche Wohlfühlatmosphäre und versprühen eine ganze Menge an Charme. Anstatt die flackernden Energiesparlampe anzuschalten besorgt euch ein paar Kerzen. Ihr werdet merken: Es ist gleich viel hyggeliger.

Kamine oder Holzöfen sind eine weitere Möglichkeit Behaglichkeit zu fördern. Ein offenes Feuer hat etwas anziehendes auf uns. Da fühlen wir uns direkt wohl.

Kissen, Decken und noch mehr Kissen. Wer liebt es nicht sich an einem kalten Winterabend in eine Decke einzukuscheln und am Kaminfeuer mit einer Tasse Tee zu sitzen? Dekoriert eure Tiny House mit vielen Kissen und Decken und schafft so ganz gezielt Wohlfühloasen für euch und eure Gäste.

Hygge kann alles sein, was dafür sorgt, dass ihr euch wohlfühlt. Auch Naturelement, wie selbstgemachte Kränze aus Ästen können Hygge sein. Werdet kreativ und findet heraus, was zu euch passt. Aber bei allem, was ihr tut folgt dem Grundsatz: Keep it simple.

Lagom

Lagom ist eine schwedische Lebensform, die soviel bedeutet wie “Genau richtig” oder “In Balance”. Bei Lagom geht es vor allem darum sich bewusster mit den wenigen Dingen, die man hat auseinander zu setzten. Das bedeutet vor allem auch das Thema Nachhaltigkeit zu beachten. Wie gestaltet man denn jetzt einen Wohnraum lagom?

Lagom lebt von Balance. Dies solltet ihr bei der Farbgebung in eurem Haus beachten. Sucht euch einige neutrale Grundfarben aus, die miteinander harmonieren. Dazu eignen sich Weiß- , Grau- und Beigetöne am Besten. Wählt eine Akzentfarbe, die ihr für Accessoires und Dekorationen verwendet. Je stimmiger die Farbauswahl desto balancierter das Gesamtbild.

Bringt das Grüne nach innen. Pflanzen in eurem Tiny House bringen eine ganze Menge lagom mit sich. Ob Kräuter auf der Fensterbank in der Küche oder ein grüner Pflanzengarten mit hängenden Töpfen im Wohnzimmer. Die Natur ins Haus zu holen macht mit kleinen Dinge einen großen Unterschied.

DIY und Thrifting sind auch durch und durch lagom. Anstatt neue Möbel zu kaufen gibt es oft die Möglichkeit nach Möbeln in Thrift Stores zu gucken und diese nach Bedarf aufzubereiten. Holzkisten lassen sich zum Beispiel auch in einem DIY Projekt zu einem Regal zusammenbauen.

 

Bildquellen: unsplash.com